Was können wir von der Max-Brauer-Schule lernen?

Mit dieser Leitfrage hospitierten Lehrkräfte der Realschule Verden und der Klaus-Störtebeker-Schule Verden an der 2006 mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichneten Schule in Hamburg. Bereits zur Begrüßung wurden die Lehrkräfte von einem „Pixi-Buch“ verzaubert, in dem neuen Schülerinnen und Schülern das Konzept der Max-Brauer-Schule erklärt wird. Dies steht unter dem Motto „Vielfalt ist Reichtum“. Lernende werden individuell gefördert und in ihrem Weg zum eigenverantwortlichen Lernen gefordert. In den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik eignen sich die Lernenden Inhalte und Kompetenzen in eigenem Tempo an. Projektunterricht und Langzeitprojekte werden fächerübergreifend angeboten. Lernende erforschen hier eigenständig bedeutsame Themen und Fragestellungen. Rückmeldungen ohne Noten geben den Lernenden einen Überblick über die individuelle Lernentwicklung. Dies sind nur einzelne Aspekte des Konzepts der Max-Brauer-Schule, in die die hospitierenden Lehrkräfte an diesem Tag Einblick bekommen konnten.

Im Fokus stand dabei die Hospitation in den Klassen 5 – 7. So durften die Gäste unter anderem am Projektunterricht „Pflanzen und Tiere“ teilnehmen. Jede Schülerin und jeder Schüler forscht hier für einen vorgegebenen Zeitraum zu einem Tier und einer Pflanze. Die Forschungsergebnisse werden in einem eigens erstellten Buch zusammengetragen und auf einem Plakat visualisiert. Am Ende des Projekts steht eine Präsentation, zu der auch die Eltern eingeladen sind. Die Atmosphäre im Klassenraum ist geprägt von Kreativität und Forscherdrang. Auf einem Teppich liegen Bücher ausgebreitet, die in der Stadtbibliothek eigens für das Projekt ausgeliehen wurden. Wenn nötig, besucht die Klasse gemeinsam die Bibliothek, um Recherche zu betreiben. An zwei Computerplätzen ist online Recherche möglich. Per Warteliste ist hier die Reihenfolge organisiert. „Wenn ich sehe, dass eine Schülerin oder ein Schüler gerade nicht konzentriert bei der Arbeit ist, versuche ich das eine Weile auszuhalten.“ antwortet die Klassenlehrerin auf die Frage, wie sie mit dem Arbeitsverhalten in der heterogenen Lerngruppe umgeht. „Wir sind eine Ganztagsschule. Die Kinder sind hier von morgens bis abends. Ich kann nicht erwarten, dass alle gleichzeitig in jedem Moment konzentriert arbeiten.“ Ohne Regelsystem geht es jedoch nicht. Im Klassenraum sind die Klassenregeln festgehalten. Auch gibt es ein „Ampelsystem“ an der Tafel, das den Lernenden visualisiert, wenn die Arbeitsatmosphäre gestört ist. Im sogenannten „Blauen Buch“ organisieren die Lernenden ihre Arbeitswoche. Am Ende der Woche kontrolliert die Lehrkraft das Blaue Buch und gibt der Schülerin oder dem Schüler eine individuelle Rückmeldung zur Woche. In diesem Blauen Buch wird ebenfalls die Arbeit für das Lernbüro geplant. Auch in die Arbeit im Lernbüro bekommen die hospitierenden Lehrkräfte einen umfangreichen Einblick. Hier arbeitet jede Schülerin und jeder Schüler individuell mit dem umfangreichen Material, das im Klassenraum zur Verfügung steht. Die Lehrkraft ist Lernbegleiter_in und unterstützt individuell. Da Lernende im Lernbüro an den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik arbeiten können, erfordert es von der Lehrkraft, in allen Fächern unterstützen zu können. „Da alle Klassen eines Jahrgangs zur gleichen Zeit Lernzeit haben, ist es jedoch auch möglich, dass die Lernenden bei Fragen, die nicht geklärt werden können, in der Nachbarklasse Unterstützung zu suchen.“ Als Gast im Lernbüro ist die gegenseitige Unterstützung der Lernenden deutlich spürbar. In heterogenen Kleingruppen organisieren sich die Lernenden an ihren Tischen. Als Gast ist es leicht, mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch zu kommen. „Ich finde es gut, dass wir eigenständig an unseren Aufgaben arbeiten können. Damit kann ich mein Tempo selbst bestimmen. Ich wähle  auch selbst, wann ich einen Test schreibe.“ Am Ende spiegeln sich der Lernfortschritt und die bestandenen Tests durch Klebepunkte im Kompetenzraster, das für die Lernenden kein Fremdwort ist.

Nach den Hospitationen in den Klassen schließt der Tag an der Max-Brauer-Schule mit einem Abschlussgespräch und kleinem Imbiss ab.